Reloaded: Nachgefragt bei … Neyasha

Es ist wahrscheinlich nur meine gefühlte Wahrnehmung, aber Neyasha gehört für mich zu den ersten Buchblogger*innen, die auch schrieben. Seit 2010 betrieb sie den Blog „Vom Lesen und Schreiben“, bevor sie in diesem Frühjahr umzog und sich nun „Neyashas Allerlei“ nennt. Wenn sie die von ihr vermissten Blogs nennt, werde ich auch ganz wehmütig. Jedenfalls wünsche ich wieder einmal viel Spaß mit dem Lesen des Interviews!

Interview mit Neyasha von Neyashas Allerlei

Hat sich in den Jahren seit deinem Interview die Ausrichtung deines Blogs geändert oder gab es andere gravierende Änderungen am Blog?

In den letzten Jahren habe ich meinen Blog thematisch etwas ausgeweitet. Zum einen sind meine „Streifzüge“ hinzugekommen, in denen ich über Reisen, Wanderungen und Spaziergänge in Wien schreibe. Zum anderen bringe ich vermehrt auch meine kreativen Hobbies wie Malen, Zeichnen und Handarbeiten unter. Auch meine eigenen Romane und Charaktere möchte ich gern wieder mehr zum Thema machen.

Abgesehen davon war die größte Veränderung sicher, dass ich früher viel in der Arbeit bloggen konnte. Ich habe im Publikumsdienst gearbeitet (z.B. Garderobenaufsicht im Theater, Servicedesk im Museum, etc.) und konnte mich dort mit eigenen Dingen beschäftigen, wenn gerade niemand da war. Seit zwei Jahren organisiere ich Aus- und Fortbildungen für BibliothekarInnen und gebe auch selbst Schulungen. Damit ist natürlich der Blog gänzlich in meine Freizeit gewandert und es fällt mir manchmal schwer, abends noch Beiträge zu verfassen, wenn ich auch schon den ganzen Tag viel am Computer geschrieben habe.

Verwendest du mehr oder weniger Zeit zum Bloggen als früher?

Aus den oben genannten Gründen weniger Zeit.

Was sind aus deiner Sicht die größten Veränderungen bei den Buchbloggern?

Ich habe schon beim alten Interview eine Verschiebung hin zu anderen sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Instagram festgestellt und das ist seither noch stärker geworden. Viele ehemalige Blogaktionen finden inzwischen hauptsächlich über Twitter statt und auf den Blogs sind meinem Eindruck nach in den letzten Jahren Fotos immer wichtiger geworden. Das mag vielleicht auch am Aufschwung der Booktuber liegen, bei denen der Fokus stark auf Optik und dem „Herzeigen“ von Büchern liegt.

Fast jeder langjährige Buchblogger hat schon einmal eine Flaute erlebt, wo er wenig bis überhaupt nicht gebloggt hat. Was hat dich zum Weitermachen bewegt?

Ich hatte meinen größten Durchhänger im Frühling dieses Jahres, als ich mit dem Layout meines Blogs unzufrieden war, die Kommentare weniger wurden und die DSGVO wie ein Damoklesschwert über mir schwebte. In dieser Zeit war ich nahe daran, das Bloggen aufzugeben (oder zumindest zu pausieren). Letztendlich macht mir das Bloggen aber doch zuviel Freude, als dass ich aufhören wollte und mein Umzug zu WordPress hat mir dann wieder neuen Aufschwung gegeben.

Viele Blogger haben ihren Buchblog in den letzten Jahren aufgegeben, sei es aus Zeitmangel oder sich verändernden Interessen. Welche drei Buchblogger vermisst du am meisten?

Auch nach Jahren vermisse ich StefanieEmmy von „Daydreaming and Dreaming“ noch immer schmerzlich. Außerdem ist es sehr schade, dass Bücherfähe vom „Buchsalon“ und Melanie von „Books for all Eternity“ nicht mehr bloggen.

Dafür haben aber auch viele Blogger neu angefangen. Nenn uns doch drei neue Buchblogs, die du empfehlen kannst! Alternativ nenne es uns drei empfehlenswerte Blogs, die noch heute aktiv sind?

Verlorene Werke kann ich allen Fantasyfans ans Herz legen, außerdem bekommt man bei ihr jeden Monat einen tollen Überblick, was sich in der Buch- und Blogwelt so tut. Erst kürzlich habe ich Fantastische Antike entdeckt, wo es um Antikenrezeption in der phantastischen Literatur geht. Und Alles außer Lyrik von Konstanze, ehemals Winterkatze, ist schon seit Jahren mein „Wohlfühlblog“.

Hat sich dein Anspruch an eine gute Rezension geändert?

Nein. Ich schätze noch immer kritische Rezensionen und finde persönliche Begründungen, weshalb ein Buch gefallen hat oder nicht, sehr wichtig.

Ist deine Einstellung zu Rezensionsexemplaren mittlerweile eine andere?

Schon früher habe ich nur selten Rezensionsexemplare gelesen; inzwischen lese ich gar keine mehr. Ich bekomme zwar mehr angeboten als früher, aber mich setzt das zu sehr unter Druck.

Liest du mehr oder weniger als früher?

Gleich viel. 2011/2012, als ich jobbedingt viel Zeit lesend in Theatergarderoben verbracht habe, hatte ich einen Ausreißer nach oben, aber ansonsten lese ich schon seit Jahren immer 60-70 Bücher jährlich.

Ist dein Lieblingsgenre unverändert? Oder hast du mittlerweile einen anderen Lesegeschmack?

Mein Herzensgenre ist noch immer Fantasy. Ich habe allerdings schon immer gern alles quer durchs Gemüsebeet gelesen und schätze die Abwechslung. Neu ist, dass ich seit ein paar Jahren auch gern Sachbücher lese, die ich früher in der Freizeit praktisch nicht angerührt habe.

Durch das Fortschreiten der Technik sind eBooks wesentlich häufiger als früher. Auch ist es leichter geworden, an Hörbücher zu kommen. Hat dies auch deine Lesegewohnheiten verändert?

Ich habe mir 2011 meinen ersten Reader gekauft und demnach die eBooks schon früh für mich entdeckt. Obwohl ich eBooks ungemein praktisch finde (und bei dicken Wälzern vorziehe), werde ich aber wohl immer eine Hybridleserin bleiben und weiterhin regelmäßig zwischen Printbüchern, eBooks und Hörbüchern wechseln.

Meine Gewohnheiten haben sich aber vielleicht insofern geändert, weil ich jetzt seltener in die Bibliothek gehe und stattdessen mehr die Onleihe nutze.

Hat sich etwas bei deinem SuB verändert?

Mein SuB (der nie über alle Maßen groß war) ist geschrumpft und hat außerdem eine Verjüngungskur hinter sich. Früher war mein größtes Problem, dass ich viele „SuB-Leichen“ schon seit Jahren ungelesen bei mir im Regal stehen hatte. Mittlerweile habe ich nur noch ein paar Bücher aus dem vergangenen Jahr auf meinem SuB und bin damit sehr zufrieden. Mein nächstes Projekt lautet: Wunschliste ausmisten.

Und zu guter Letzt: Wenn du auf das erste Interview schaust, würdest du eine Frage anders beantworten und wenn ja, was wäre deine heutige Antwort drauf?

2012 habe ich als meine Lieblings-Bücherseite im Netz die „Bibliotheka Phantastika“ genannt, die aber leider seither ziemlich eingeschlafen ist. Hier würde ich nun stattdessen auf https://www.tor.com/ verweisen, wo es sehr interessante Artikel zu allen phantastischen Genres gibt.

Abgesehen davon kann ich meine Antworten von damals großteils auch heute noch so unterschreiben.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast!

Übrigens: Auf der nächsten Seite findet Ihr das erste Interview aus 2012!

3 Kommentare

  1. Pingback: Interview Reloaded bei Gedankenfunken + kleine Blogpause – Neyashas Allerlei

  2. Ich bin ganz gerührt, dass mein Blog von Neyasha als „Wohlfühlblog“ bezeichnet wird. Vielen Dank – das kann ich genau so zurückgeben! 🙂

    Und ja, die von ihr genannten Blogger vermisse ich auch (und bedauere die Verschiebung zu anderen Social-Media-Kanälen). Umso froher bin ich, dass einige Blogger nach all der Zeit immer noch Lust zum Bloggen haben – selbst wenn sie wie Neyasha nun weniger Stunden dafür in ihrer Freizeit aufbringen können.

    • Ich fand deine Nennung auch schön 🙂 Und ebenso wie Ihr bedaure ich die Verschiebung auf andere Kanäle. Ich lese viel lieber von anderen Menschen Texte als ihnen zuzuhören (und zuzusehen).

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