Mut zum Abbruch – warum nicht jedes Buch beendet werden muss

Symbolbild BücherFoto: congerdesign CC0 Creative Commons

Das Cover sieht bezaubernd aus, der Klappentext liest sich vielversprechend – das Buch ließ Euch wie der Anblick eines leckeren Gerichts das Wasser im Munde zusammenlaufen. Doch dann beginnt Ihr zu lesen und die Vorfreude verpufft, denn die Lektüre gestaltet sich äußerst zäh. Was jetzt? Dies ist ein Beitrag in meiner Kolumne „Gedankenfunken„, die sich mit ganz unterschiedlichen, aber überwiegend buchigen Themen beschäftigt.

Ich gebe zu: Früher habe ich nahezu jedes Buch beendet. Egal, wie langweilig oder, ich kann es gar nicht anders sagen, behämmert ich die Geschichte fand. Oft genug war ein Roman schlicht und ergreifend handwerklich schlecht gemacht.Aber es hat mich Zeit gekostet. Denn ich bin nicht in den Leseflow gekommen. Nach wenigen Seiten habe ich oftmals das Buch zu Seite gelegt, weil ich mich über irgendetwas ärgerte. Ich habe das Weiterlesen aufgeschoben, weil ich keine Lust auf das Buch hatte. Das ist schade, denn stattdessen hätte ich ein Buch lesen können, dass mir (nahezu) uneingeschränkt Spaß macht. Welches ich kaum zur Seite legen will und wo ich mir einrede: „Nur noch ein Kapitel!“, um dann doch die halbe Nacht durchzulesen. Eine Geschichte, bei der ich den ganzen Tag kaum abwarten kann, weiterzulesen.

In den letzten Jahren hat sich nun meine Einstellung geändert: Statt darauf zu warten, dass das Buch besser wird, lege ich es weg und nehme ein anderes im die Hand. Mag sein, dass das Buch Dutzenden Buchblogger*innen gefallen haben – aber warum sollte ich es durchlesen, wenn es bei mir nicht zündet? Auch Argumente wie „Es braucht halt Anlauf“ ziehen bei mir nur noch bedingt, denn das ist in den allermeisten Fällen eben ein deutliches Signal, dass der Autor*in eigentlich noch mehr Arbeit in sein Werk hätte stecken müssen. Zudem ändert die Aussicht auf Besserung auch nichts daran, dass ich das Lesen zum jetzigen Zeitpunkt als mühselig empfinde.

Meine Lesezeit ist endlich und ich möchte sie mit Büchern verbringen, die mir von der ersten bis zur letzen Seite Spaß machen. Mein Wunsch ist es, durch die Seiten zu fliegen und dabei alles um mich zu vergessen. Da sind langatmige Geschichten, die mir die Lust am Lesen verderben, einfach kontraproduktiv. Natürlich gibt es Bücher, wo sich das durchquälen lohnt, Klassiker der Weltliteratur und philosophische Abhandlungen sind oftmals nicht im Vorbeilesen zu verstehen. Doch die allermeiste Unterhaltungsliteratur kommt ohne tiefschürfende Botschaften, die nicht ohne große Anstrengung von Seiten der Leser*in zu erfassen sind, aus. So mal die Auswahl an Literatur groß ist und es genug Bücher gibt, die es schaffen, von Anfang an zu fesseln. Nicht zuletzt, weil dessen Verfasser*innen sich eben noch mehr Mühe mit dem Schreiben gegegeben habe. Haben diese Autor*innen und deren Bücher nicht viel mehr verdient, dass ich mich mit ihnen beschäftige?

Mittlerweile sehe ich es so: Wenn mir Essen nicht schmeckt, esse ich nicht den Teller leer, und wenn mir ein Buch nicht zusagt, lese ich es nicht zu Ende. Egal, ob andere es über den grünen Klee loben oder ich viel Geld dafür bezahlt habe. Denn das ist meist nur schlechten Geld noch gutes Geld hinterherwerfen bzw. in diesem Fall Zeit. Warum sollte ich es mit Büchern anders als mit anderen Konsumgütern halten?

Was denkt Ihr?

13 Kommentare

  1. Sehe ich ganz genauso! da bin ich inzwischen schmerzfrei. Ebenso beim weggeben von Büchern, auch wenn sie schön aussehen oder teuer waren. Aber jetzt wo ich arbeite und wenig Zeit habe will ich diese so gut wie möglich nutzen. Nur für die Fahrt zur Arbeit lasse ich mir ein lahmes Buch, bei dem ich ohne Probleme eine Pause einlegen kann.
    Ich esse etwas was mir nicht schmeckt auch nicht auf 😀

    • Ja, beim Weggeben bin ich mittlerweile auch sehr konsequent. Natürlich möchte ich weiterhin ein paar Bücher im Regal stehen haben. Aber nur noch solche, die ich zumindest hypothetisch noch einmal lesen will. Da bleiben genug über XD

      • Das ist für mich eine Notwendigkeit. Wenn die Wohnung voller Bücher ist, dann ist sie voll. Ich behalte nur die Bücher, von denen ich glaube, dass ich sie noch einmal lesen könnte. Und wenn ich mich geirrt haben sollte und genau das Buch noch einmal brauche, das ich vor drei Monaten entsorgt habe, dann kaufe ich es mir neu. Gebrauchte Bücher sind (meistens) sehr billig.

        • Früher wollte ich irgendwann mal mindestens ein ganzes Zimmer voller Bücher haben, mittlerweile erscheint mir die Vorstellung belastend. Ich denke, für viele ist der Besitz vieler Bücher (unbewusst) immer noch mit Status verbunden. Aber ich sehe es so wie du: Notfalls kann ich mir ein Buch ja erneut kaufen. Ist bisher noch nicht eingetreten.

  2. Ich stimme dir da zu. Früher habe ich auch jedes Buch beendet, mich regelrecht durchgequält. Irgendwann habe ich mich dann gefragt, wieso ich das mache und meine Zeit mit einem Buch vergeude, mit dem ich einfach nicht warm werde, bei dem ich keinen Spaß empfinde. Somit habe ich dann angefangen Bücher auch abzubrechen. Wenn man viel Geld für ein Werk ausgegeben hat, tut das natürlich trotzdem weh, aber wenn das Werk neu ist kann man es ja auch noch verkaufen oder einem anderen eine Freude machen. Praktisch finde ich da meine Bücherrei Mitgliedschaft, da kann ich natürlich auch rigoroser Abbrechen und das Buch zurückbringen, was ich in diesem Jahr mehr als einmal getan habe.

    • Ja, ein ausgeliehenes Buch reduziert natürlich das finanzielle Risiko 🙂 Ich denke mir ja mittlerweile, dass ich vielleicht doch mal Leseproben, Blick ins Buch und ähnliches nutzen sollte. Weil meistens lässt dich doch recht schnell erkennen, ob es was mit mir und den Buch werden kann …

  3. Geht mir genauso. Früher habe ich alles beendet, weil ich dachte „Vielleicht wird es ja noch besser“ oder „ich habe Geld dafür bezahlt“, aber mittlerweile finde ich gerade den zweiten Punkt völlig unsinning. So bezahle ich dann quasi Geld dafür, meine Zeit zu verschwenden und das macht es ja mal überhaupt nicht besser 😀 Ich denke der ausschlaggebende Punkt ist einfach, dass ich jetzt einfach weniger Zeit habe als früher während der Schulzeit bzw sie anders oder sinnvoller nutzen möchte. Und da muss man eben Prioritäten setzen.
    Ich möchte jetzt auch meinen SuB aussortieren, indem ich die Bücher anlese und nach 1-2 Kapiteln entscheide, ob sie noch meinem Geschmack entsprechen und meine Zeit wert sind.

    • Jaaa, genauso ist es! Dabei ist es doch so unsinnig, sich dann noch ewig beim Lesen des Buches darüber zu ärgern, dass die Geschichte so schlecht ist. Durch frustriertes Weiterlesen wird das Buch in den allermeisten Fällen nicht besser.
      Verfügbarkeit von Büchern spielt natürlich auch eine Rolle, aber heutzutage bin zumindest ich in der glücklichen Lage, immer mehr Bücher zur Auswahl als Zeit zum Lesen zu haben.
      Das mit dem Anlesen ist definitiv eine gute Idee. Da mein SuB mittlerweile sehr klein ist, nehme ich die Bücher in die Hand, lese los und schaue, wie lange ich dabei bleibe. Muss mich allerdings zugegebenermaßen dennoch sehr beherrschen, nicht einfach immer neue Bücher zu bestellen *g*

      • Ja, so geht es mir auch. Der SuB ist bei mir schon gefühlt endlos und dann habe ich noch die Uni-Bibliothek zur Verfügung und könnte auch noch auf eine „normale“ Bibliothek zurückgreifen, aber dafür habe ich nicht mal die Zeit – wo wir zum ursprünglichen Problem zurückkommen.
        Die Vorgehensweise finde ich gut. Und das mit dem beherrschen ist wohl vorausgesetzt, wenn du möchtest, dass der Stapel auch so klein bleibt 😀

  4. Liebe Elena

    Ein interessanter Beitrag. Ich breche Bücher zwar immer wieder ab, aber meistens die bei denen ich mit Lesen nicht vorankomme. Die schlechten Bücher lese ich tatsächlich oft zu Ende. Da nerv ich mich dann über mich selbst… Denn eigentlich habe ich kein Problem damit ein Buch abzubrechen. Ich machs nur trotzdem viel zu selten…

    Spannend hier auch die anderen Kommentare zu lesen.

    Ganz liebe Grüsse,

    Josia

    P.S. Falls du Lust hast, ab dem 1. Dezember gibt es einen Adventskalender auf meinem Blog. 24 Blogbeiträge inkl. Gewinnspielen.

    • Lieber Josia,

      ich brech auch hauptsächlich die Bücher ab, wo ich gefühlt nicht vom Fleck komme. Schlechte Bücher können auch wieder unterhaltsam sein und vor allem wenn ich eine fundierte Rezension schreiben möchte, lese ich dann weiter. Aber wenn es einfach nur mies ist, ist abbrechen in der Tat oftmals die bessere Wahl.

      Danke für den Hinweis, werde mal vorbeischauen. Habe allerdings schon ewig nicht mehr an Gewinnspielen teilgenommen und werde das vermutlich jetzt auch nicht ändern.

      Liebe Grüße
      Elena

  5. Seitdem ich nur noch so wenig Zeit zum Lesen habe, habe ich auch damit aufgehört, mich durch Bücher zu quälen, die mir eigentlich so gar nicht gefallen. Wenn irgendein guter Ansatz dabei ist, gebe ich Büchern meist eine Chance auf den ersten 50-100 Seiten und breche dann erst ab – wenn von Anfang an nichts für mich stimmt, dann auch gleich.

    Die letzte richtig bittere Enttäuschung war „The Magicians“. Oh Mann, ich habe mich so sehr darauf gefreut und es war – in meinen Augen – so unterirdisch schlecht. Nach diesem Buch habe ich für mich festgestellt, dass ich mit so etwas nicht länger meine ohnehin schon spärliche Freizeit verschwenden möchte.

    • Hey Therry,

      schön, dass du mal wieder vorbeigeschaut hast 🙂

      Mir geht es ähnlich wie dir, die Zeit zum Lesen fehlt einfach. Und dann halte ich es so wie du: Gibt es vielversprechende Ansätze, lese ich ein paar Kapitel. Aber wenn es so gar nicht passt, lege ich es auch direkt weg.

      Von „The Magicians“ hatte ich vorher noch nichts gehört. Aber meine Recherche zeigt, dass du mit deiner schlechten Meinung absolut nicht alleine bist. Natürlich immer wieder schade, wenn du dich total auf ein Buch freust und dann ist es eine bittere Enttäuschung …

      Liebe Grüße
      Elena

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