Nachgefragt bei … Friederike

Foto: Buch & Gewitter

Heute präsentiere ich Euch die vorerst letzte Ausgabe von „Nachgefragt bei …“, für die ich Friederike von Buch & Gewitter interviewen konnte. Warum sie von ihrem ursprünglichen Plan, Booktuberin zu werden, wieder Abstand nahm und welche Autorin von ihr vermutlich keine neue Chance mehr bekommt, erzählt sie in dieser Ausgabe von „Nachgefragt bei …“. Viel Spaß beim Lesen des Interviews!

Interview mit Friederike von Buch & Gewitter

Wie würdest du dich selbst in drei Sätzen beschreiben?

Das ist eine schwierige Frage, weil ich nie weiß, wie ich mich beschreiben soll. Es gibt so viele Facetten an einem Menschen, wie soll ich da entscheiden, welche am wichtigsten sind? Eigenschaften an mir, auf die ich stolz bin, sind allerdings mein Einfühlungsvermögen, Durchhaltevermögen und Kreativität. Ich denke gerne über Situationen nach und überrasche Gesprächspartner dann oftmals mit Gedanken zur Gegenposition, was als „interessante Weltansicht“ in meiner Abizeitschrift übersetzt wurde. Ich mag es, dass ich Durchhaltevermögen habe, wenn ich einmal an einer Sache dran bin, gebe ich nicht so schnell auf (das ist meinen Tagen als Leichtathletin geschuldet, als jedes Training ein Überwindungskampf war). Wenn mir an manchen Tagen die Dinge über den Kopf wachsen, kompensiere ich das mit Umräumen, dann muss ich entweder mein Bücherregal, das komplette Zimmer oder nur den Kleiderschrank neu ordnen, einfach um Abstand zu gewinnen.

Wie kamst du auf die Idee, über Bücher zu bloggen?

Eigentlich hätte ich gerne einen Booktubekanal eröffnet, aber ich besitze keine gute Kamera und habe keinen Plan vom Video schneiden und blamieren wollte ich mich auch nicht. Außerdem neige ich dazu beim Reden abzuschweifen, da fand ich einen Blog passender, wo ich meine Gedanken in Ruhe formulieren kann und eventuell Dinge korrigieren. Ach so, und ich wollte natürlich über Bücher reden, denn weder meine Familie, noch meine Freunde konnten mit meinem Bücherkonsum mithalten.

Wie bist du zu deinem Blognamen gekommen?

Ehem. Als ich meinen aktuellen Blog erstellt habe, habe ich eine Weile überlegt, wie er heißen soll. Ich bin sogar so weit gegangen mir erfolgreiche Blogs genauer anzugucken, um zu sehen, was bei denen funktioniert und da ist mir die Drei-Wort-Kombination aufgefallen, die oftmals im Namen steckt. Ink of Books, Lecture of Life, noch mehr Bücher, etc. Diese fand ich gut und wollte eigentlich dem Blog so ein richtiges Motto geben. Dann fiel mir zu Buch aber nur Gewitter ein und das ist dann hängen geblieben. Eine Bedeutung habe ich mir dann erst später ausgedacht (voll professionell und so).

Beeinflusst dein Studium der Germanistik dich beim Lesen und Bloggen?

Nein, gar nicht. Ich trenne Bloggen und Studium strickt, weil ich mit einem akademischen Anspruch im Hinterkopf keine Rezension mehr veröffentlichen würde. Es ist eher anders herum, dass das Bloggen mein Studium beeinflusst. Ich kann mir beispielsweise literarische Strömungen und Theorien viel besser durch die Blogbeiträge anderer merken, als durch einen Fachtext.

Wie viel Zeit wendest du ungefähr die Woche zum Bloggen auf?

Mein Plan war mal, zwei Beiträge pro Woche zu posten, das sind so circa acht Stunden, also ein Arbeitstag. Mittlerweile schaffe ich das nicht mehr, weil ich einfach zu viel nebenher mache (Sport, Nebenjob, Unizeitschrift). Deswegen läuft es auf drei bis vier Stunden hinaus, das variiert aber auch von Beitragstyp zu Beitragstyp ein wenig.

Was war dein schönstes Erlebnis mit deinem Blog?

Mein schönstes Erlebnis mit dem Blog ist nach wie vor, das viele positive Feedback. Ich lese bei so vielen anderen Bloggern (egal, welche Richtung) fiese und gemeine Kommentare, dass ich mich jedes Mal freue, wenn ich einen netten bekomme. Die Buchcommunity ist einfach die coolste und ich freue mich Teil davon zu sein.

Wie hat sich die Buchbloggerwelt im Laufe der Zeit verändert?

Dafür habe ich keinen Blick. Ich finde, dass es schon seit einiger Zeit mehr um Followerzahlen bei Kooperationen, als den tatsächlichen Content geht, was verständlich ist, aber schade. In den letzten zwei Jahren habe ich aber keine Veränderung wahrgenommen, gerade auch, weil ich eine recht feste Buchbubble habe.

Hast du eine Lieblingsbücherseite (Buchhomepage, Büchermagazin, etc.) im Netz?

Ich liebe das Konzept von Goodreads. Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber ich liebe diese App und Internetseite total. Lovelybooks kommt dem nahe, ist aber eben sehr deutschsprachig ausgerichtet. Und ich mag die Sketches und Buchvideos von Epic Reads, sowas würde ich mir auch für den deutschen Buchmarkt wünschen.

Was macht für dich eine gute Rezension aus?

Argumente! Egal, wie ein Buch bewertet wurde, solange man es belegen kann, ist es keine schlechte Rezension.

Wie hältst du es mit Rezensionsexemplaren in deinem Blog?

Am Anfang habe ich ein bisschen zu viele Rezensionsexemplare angefragt, weil es einfach so viele vielversprechende Bücher gab. Jetzt frage ich mich wirklich, ob ich das Buch auch lesen würde, wenn ich es selber kaufen müsste, ehe ich eine Anfrage abschicke. Ich versuche auf dem Blog eine Balance von selbst gekauft und Rezensionsexemplaren zu halten, was allerdings nicht immer so klappt, weil ich bunt durcheinander und manchmal auch aus Zeitdruck heraus drei Reziexemplare hintereinander lese.

Wenn dich ein Litblogneuling nach einem Tipp fragen würde, welchen würdest du ihm geben?

Sei dir deiner Entscheidung sicher. Bloggen ist toll und die Gemeinschaft wunderbar, aber es braucht viel Zeit und manchmal auch Nerven, um es durchzuziehen. Wenn man es nur halbherzig machen tut, ist es eher eine Belastung (ich habe das mit meinem alten Blog selbst so getestet). Ansonsten ist Leidenschaft für dein Thema einfach der Schlüssel zu allem.

Was hat deine Leseleidenschaft geweckt?

Der Mangel an anderen Beschäftigungen? Ich habe Lesen lernen gehasst, ich wollte sehr viel lieber spielen gehen, anstatt Buchstaben zu lernen. Durch den Wechsel vom Kindergarten auf die Grundschule (ich habe eine andere besucht, als meine Freunde aus dem KiGa) waren die Spielgefährten dann aber weg und ich tat mich schwer mit neuen Freundschaften. Meine Eltern und mein großer Bruder sind leidenschaftliche Leser und haben dauernd über Bücher und Figuren geredet und ich wollte gerne mitreden. Dann wurde ich eines Abends aus dem Zimmer geschickt, als Harry Potter und der Stein der Weisen im Fernsehen lief, weil ich „zuerst das Buch lesen“ sollte. Also las ich Harry Potter und seitdem komme ich von Büchern nicht mehr los.

Dein absolutes Lieblingsgenre ist Contemporary (oder Fantasy?) – gab es da ein Schlüsselerlebnis oder „warst“ du schon immer so?

Eigentlich ist mein Lieblingsgenre Fantasy. Ich bin damit aufgewachsen, phantastische Geschichten haben mein Leben schon immer begleitet, ob als TV-Serie, Hörbuch oder eben Buch. Meine Familie liest hauptsächlich Fantasy und mein ersten einprägsamen Bücher waren eben Harry Potter und später dann Eragon und die Ruwenda-Reihe. Contemporary habe ich erst nach Twilight entdeckt, als ich Liebesgeschichten spannender fand. Seitdem hält sich das ganz gut die Waage, aber Contemporary liest sich schneller und ist leichter zu rezensieren, deswegen gibt es davon deutlich mehr auf meinem Blog.

Was macht ein gutes Contemporary-Buch aus?

Nachvollziehbare, vielseitige Figuren, einen komplexen und originellen Plot und für mich nun auch das Setting. In Contemporary-Büchern möchte ich mich zuhause fühlen, Teil der Gruppe sein. Es sind Wohlfühl-Bücher und das entsteht vor allem durch komplexe Figuren und ein schön erklärtes Setting.

In welches Buch würdest du gern einmal hineinklettern, wenn du könntest – außer Harry Potter?

Öhm … *denkt lange nach* Abgesehen von allen meinen liebsten Contemporary-Romanen, wo ich einfach gerne mal Mäuschen spielen würde, möchte ich definitiv in die Witchlands von Susan Dennard reisen. Die Witchlands haben eine so spannende Geschichte, lebendige Mythen und atemberaubende Landschaft, da würde ich gerne mal wandern gehen (und nur wandern, nicht kämpfen, nicht sterben, nur wandern).

Gibt es ein Genre, welches dir absolut nicht zusagt?

Krimis und Thriller. Wenn ich mich gruseln will, muss ich nur Nachrichten gucken, da muss ich nicht noch solche Bücher in meinen Kopf lassen.

Wonach wählst du deine Bücher aus?

Mittlerweile durch die Empfehlungen meiner liebsten Blogger und Booktuber. Cover haben mich schon oft fehlgeleitet, Hype ebenso. Inhaltsangaben finde ich auch oft unzureichend und irreführend, deswegen nehme ich mir entweder die Zeit das Buch direkt anzulesen, oder gucke, was meine Buchbubble zum Buch sagt.

Wie würdest du deinem SuB charakterisieren? War er schon immer so groß? Gibt es ein Prinzip dahinter?

Ich betrachte meinen SuB gerne als Back-Up, wenn es mal Engpässe gibt und ich gerade kein Buch kaufen kann oder will. Mein System ist leider, dass ich ein Buch kaufe, aber zu viele angefangene habe, um es gleich lesen zu können und dann staubt es da vor sich hin, bis ich wieder Lust darauf habe. Meine Lesestimmung ändert sich auch recht fix, deswegen dauert es manchmal schon etwas. Früher war mein SuB natürlich kleiner, als das Taschengeld nur für ein Buch im Monat gereicht hat, da hatte ich so gut wie keinen SuB (dafür habe ich mehr Fanfiktions gelesen und abgebrochen).

Wie groß ist deine Wunschliste?

Kurz. Meine Wunschliste ändert sich ständig und ich vergesse meist bestimmte  Bücher zu kaufen, wenn ich im Buchladen stehe oder online stöbere. In der Regel stehen immer die neuesten Bücher meiner liebsten Autor*innen drauf und die wandern auch sofort in mein Regal, deswegen ist meine Wunschliste eher nicht-existent.

Gibt es Autoren, die du nie wieder freiwillig lesen würdest – und warum?

Ich gebe gerne zweite Chancen. Kann ja sein, dass der/die Autor*in nur mit diesem Buch daneben gelegen hat. Aber bei Colleen Hoover und seit kurzem auch T.M. Frazier wird wohl nie wieder was bei mir einziehen. Colleen Hoover hat mit mit „Weil ich Layken liebe“ abgeschreckt und sie scheint dauernd so problematische, verbotene Liebesgeschichten zu schreiben, was allgemein spannende Themen sind, aber mich kann sie einfach nicht überzeugen. Und T.M. Frazier ist bei mir untendurch, seit ich „Wild Hearts: Kein Blick zurück“ gelesen habe und der Typ sich einfach immer über die Wünsche der Frau hinweg gesetzt hat. Oh, und Jennifer L. Armentrout. Bei ihren Büchern zeichnet sich ein krasses Handlungsmuster ab und das macht ihre Bücher für mich langweilig.

Magst du Buchverfilmungen? Wenn ja, welches Buch sollte unbedingt verfilmt werden? Oder eben grade nicht?

Ich liebe die Geschichte um das Waisenmädchen Min in „Schneeengel“ und kann es mir gut als Film vorstellen. Ansonsten bin ich vorsichtig geworden. An sich spricht nichts gegen Buchverfilmungen, aber es fällt mir unter Umständen schwer Buch und Film zu trennen. Das beste Beispiel ist die TV-Serie „Shadowhunters“, da haben sie die Rahmenhandlung der Bücher völlig zerlegt und sich nur ihre Lieblingsaspekte raus gepickt und zusammengewürfelt, ich komme da einfach nicht mehr hinterher. Also Cassandra Clares Bücher möchte ich lieber unverfilmt sehen (Hände weg, von den Blackthorns!), ansonsten bin ich relativ offen.

Wie stehst du zu E-Books?

Liebe ich. Ich lese gerne auf meinem Kindle, iPad oder iPhone, weil ich da kaum zusätzliches Gepäck habe und beim Warten auf den Bus oder Zug einfach ein Kapitel einschieben kann. Auch das Lesen im Dunkeln ist super, auf langen Autofahrten freue ich mich immer, wenn ich im Tunnel noch lesen kann und meine Geschwister frustriert innehalten müssen, hehe. Außerdem passt bei manchen Büchern einfach ein eBook besser, weil es so „technisch“ aussieht. Ich lese gerade Science-Fiction gerne als eBooks.

Wie viele Stunden die Woche liest du?

Keine Ahnung. Ich tracke meine Zeit nicht – in so gut wie keiner Sache. Einfach, weil ich das immer vergesse. Lesen tue ich jeden Tag, aber da frage ich mich dann immer, ob Bücher oder einfach Lesen allgemein gemeint ist. Bei Büchern habe ich mir mal 100 Seiten pro Tag gesetzt, das sind so eine bis anderthalb Stunden bei mir (hängt natürlich auch immer von Schriftgröße und Textqualität ab). Aber ich lese meist früh vor dem Aufstehen, auf dem Weg in die Uni, in Pausen und natürlich Abends. Also müsste ich wohl eher meine Zeit in der Uni und bei der Arbeit von meiner wachen Zeit abziehen und das ist mir zu mathematisch, deswegen sage ich einfach … viel?

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast!

Neugierig geworden? Dann schau in Friederikes Blog „Buch & Gewitter“ vorbei!

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6 Kommentare

  1. Hi Elena,

    der Beitrag hat mir richtig Spaß gemacht, aufgrund der guten Fragen und der guten Antworten. Ich mag den Blog „Buch und Gewitter“ sowieso und so ist es schön, noch ein paar Infos von Friederike zu bekommen.

    Liebe Grüße
    Tina

    • Hallo Tina,

      danke für dein Feedback 🙂 Ja, Friederike hat einen tollen Blog!

      Liebe Grüße
      Elena

  2. Pingback: Maigeschichten

  3. Liebe Elena,

    es hat mir auch großen Spaß gemacht deine Fragen zu beantworten! Ich finde deine Einleitung übrigens super, es ist so spannend sich selbst aus der Perspektive anderer zu sehen. Vielleicht setzte ich meine Booktubeidee irgendwann in der Zukunft doch noch um, gerade hätte ich wieder sehr viel Bock darauf. (Auch wenn ich immer noch keine gute Kamera besitze oder Ahnung vom Video schneiden habe.)
    Nochmals vielen Dank, dass du mich gefragt hast, ich finde dieses Format ganz super.

    Alles Liebe
    Friederike.

    • Liebe Friederike,

      vielen Dank für deinen Kommentar und schön, dass dir die Einleitung gefällt. Vieles ist ja auch learning by doing, grad beim Video schneiden, also vielleicht probierst es wirklich mal aus? 🙂

      Liebe Grüße
      Elena

  4. Na, dann kriegt ihr jetzt noch ein positives Feedback mehr! Das Interview ist sehr gut gelungen. Die Einführung muss noch eingeübt werden, haha. Drei Sätze hätten genügt. 🙂 Ich glaube, dass es dem Studium im Allgemeinen hilft, einen Bücherblog neberher zu machen. Eben um Erfahrungen direkt am Objekt zu sammeln. Aber es hilft natürlich auch, bei der Uni Zeitung mitzuwirken. Leider ist ein Bücherblog oft auch ein Vollzeitjob. Das übersehen viele, wenn sie einen planen. Schade, dass die Booktube Karriere nicht starten wollte. Es gibt viel mehr Zuschauer als Leser, leider. Alles Gute und weiterhin viel Glück im Studium!
    Thorsten J. Pattberg, Autor der Lehre vom Unterschied

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