„Seven Devils“ von Elizabeth May und Laura Lam

Foto vom Buch "Seven Devils" Perspektive 1

Die Autorinnen pitchten das Buch als „Mad Max: Fury Road“ im Weltraum. Ich würde die Geschichte mit sieben diversen Widerstandskämpfer:innen in den Hauptrollen als Red Rising mit einer Prise Hunger Games beschreiben. Was mir am Auftakt der feministischen Space Opera alles gefiel, verrate ich Euch in dieser Rezension zu „Seven Devils“.

Mehr Informationen zum Buch
Autorinnen: Elizabeth May und Laura Lam
Originaltitel: „Seven Devils“
Deutsche Übersetzung: Noch nicht angekündigt
Serie: Dilogie
Seitenzahl: 458 Seiten
Verlag: Gollancz
Veröffentlichungsdatum: 6. August 2020

When loyalty to the Empire is programmed from birth, resistance is futile – until now.

After Eris faked her death, she thought she had left her old life as Princess Discordia – heir to the galaxy’s most ruthless empire – behind. But joining the Novantaen Resistance, an organisation opposed to the Empire’s voracious expansion, throws her right back into the fray.

Resistance fighter pilot Clo has been given a mission: infiltrate an Empire spaceship ferrying deadly cargo to gain vital intelligence. A task made all the more difficult when she’s forced to partner with an old enemy – Princess Discordia herself, Eris.

They discover more than they bargained for on the ship: fugitives with first-hand knowledge of the empire’s inner workings. With this information, these women might just bring the empire to its knees.

But the clock is ticking: Eris’s brother Damocles, new heir to the throne, plans to disrupt a peace summit with the only remaining free alien people, ensuring the Empire’s total domination.

Unless this band of unlikely rebels stop him, millions will die …

Inhalt

Als Eris ihren Tod vortäuschte, dachte sie, sie hätte ihr altes Leben als Erbin des skrupellosesten Imperiums der Galaxis hinter sich gelassen. Doch als frühere Prinzessin Discordia ist ihr Wissen und Können für die Novantaen Resistance von unschätzbaren Wert. Und so schickt die Organisation, die sich der unersättlichen Expansion des Imperiums widersetzt, Eris regelmäßig auf Himmelfahrtskommando.

Gemeinsam mit Mechanikerin und Spitzenpilotin Cloelia, die einen alten Groll gegen Eris hegt, wird sie mit einer neuen Mission beauftragt: Sie sollen ein Raumschiff mit mysteriöser Fracht infiltrieren und die gesammelten Informationen an die Résistance zurückschicken. Als Eris und Clo das Schiff finden, entdecken sie mehr, als sie erwartet hatten. Bald befinden sie sich in der risikoreichsten Operation überhaupt, im Kampf gegen die Uhr, mit Millionen von Leben auf dem Spiel.

Foto vom Buch "Seven Devils" Perspektive 2

Meinung

Eris got the call from the commander while she was killing a man.

Ich muss zugeben, von der Widmung mit Zerschlagung des Patriarchs war ich doch ein wenig irritiert. Doch ich kann beruhigen: Das Buch kommt nicht belehrend daher. Stattdessen ist es vom ersten Satz an feministisch und zeigt, dass Frauen nicht unterschätzt werden sollten. Die Hauptfiguren im Buch sind ganz unterschiedlich und zeigen, dass Frauen nicht zu Männern werden müssen, um stark zu sein. Überhaupt werden viele Stereotypen vermieden und es zeigt sich, dass auch vermeintlich herzlose Charaktere ihre sensiblen Seiten haben.

Das Buch wird in zwei Zeitebenen erzählt. In der Gegenwart stoßen nach und nach Figuren und deren Erzählperspektiven zur Geschichte dazu, welche die Erzählung facettenreicher machen und mehr Tiefe schaffen. Außerdem erfahren wir, während sich ihre Vergangenheit immer mehr der Gegenwart annähert, immer mehr über Eris früheres Leben als Discordia mit all seinen Schrecken. Dementsprechend trägt Eris den größten Teil der Geschichte und das gelingt erfreulicherweise ziemlich gut. Mir gefiel der Umgang mit Schuld und Verantwortung, denn das ist ein großes Thema für alle Figuren und wird keineswegs unter den Teppich gekehrt. Um Spoiler zu vermeiden, will ich an dieser Stelle nicht detailliert auf die anderen Charaktere eingehen, aber noch einmal hervorheben, dass es ein sehr diverser Cast ist.

They only worshiped seven gods in the Tholosian Empire: Letum, Bel, Rem, Salutem, Phobos, Algea, and Soter. Death, War, Honor, Survival, Fear, Agony, and Salvation. There was no place in their pantheon for Mercy.

Stattdessen etwas zu der Welt, in der „Seven Devils“ spielt. Das Tholosianische Empire erinnert in einigen Aspekten an die alten Römer und Griechen, das scheint unvermeidlicher Standard für Science Fiction und Fantasy zu sein. Doch den Autorinnen gelingt es erfreulicherweise, ihre eigenen Modifikationen vorzunehmen und nicht einfach eine romanisierte Welt zu zeichnen. Herausgreifen möchte ich an dieser Stelle beispielhaft das sogenannte Oracle: Das ist eine künstliche Intelligenz, die Zugriff auf das Gehirn eines fast jeden tholosianischen Bürger hat und im Bedarfsfall sogar komplett den Willen übernehmen kann. Zusammen mit der intensiven Konditionierung von klein auf sind die allermeisten Bürger somit praktisch unfähig zum Widerstand. Während viele futuristischen Welten wie eine Neuauflage früherer Zeiten mit Raumschiffen wirken, gelingt es mit Elizabeth May und Laura Lam so, eine technisch weiterentwickelte Zukunft zu entwerfen.

Nicht zuletzt möchte ich auf die Handlung eingehen. Auch hier haben die Autorinnen vieles richtig gemacht, denn ich empfand die Geschichte zumindest in einigen Aspekten doch öfters mal überraschend. Fremde Identitäten anzunehmen und in gut gesicherte Räumlichkeiten einzudringen ist hier alles andere als läppisch. Zudem werden Fehler in aller Konsequenz bestraft. Insbesondere die Auflösung am Schluss fand ich daher sehr gelungen.

Regina regem necat. Queen kills King.

Für mich ist das Buch ein packender Auftakt, in welchem tatsächlich der versprochene Feminismus eingehalten wird. Am Ende des ersten Bands der Dilogie haben sich sieben höchst unterschiedliche Figuren zusammengetan, auf deren weitere Abenteuer als „Seven Devils“ ich sehr gespannt bin. Mir ist es daher rätselhaft, warum das Buch nicht viel mehr Aufmerksamkeit bekommt. Denn die hätte es definitiv verdient.

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Empfehlung?

Du willst ein Buch lesen, in dem eine Gruppe verschiedener, mutiger Frauen versucht, sich selbst und ihre Galaxie zu retten? Hier ist es! Ich empfehle das Buch allen Leser:innen, die sich für diverse Science Fiction interessieren. Allerdings solltet Ihr große Casts mögen, denn die vielen Perspektiven verhindern die Intimität, die sich bei der Beschränkung auf eine Sicht fast automatisch ergibt.

In einem Satz

Eine geistreiche, rasante, feministische Space Opera mit zahlreichen diversen Charakteren.

4 Kommentare

  1. Liebe Elena,
    danke für den Tipp, das Buch kommt gleich auf die Wunschliste – tatsächlich hat der Pitch »Mad Max im Weltraum« sofort verfangen. 🙂
    Liebe Grüße und einen schönen zweiten Advent

    • Liebe Kerstin,

      das freut mich, dass ich das Interesse wecken konnte. Dann bin ich mal gespannt, ob es auch den Einzug bei dir schafft 🙂

      Liebe Grüße und morgen einen schönen dritten Advent
      Elena

  2. Klingt interessant, ich wüsste nur nicht, ob mir das mit dem großen Cast liegt, weil man da dann doch viele Infos hat, die da auf einen einprasseln und man sich erstmal in der Welt zurechtfinden und mit den Charakteren vertraut machen muss. Da finde ich fast eine Erzählung aus nur ein oder zwei Sichtweisen angenehmer. Auch habe ich SciFi bisher nicht gelesen, sondern eher verfilmt gesehen, aber möchte natürlich auch gerne mal ausprobieren, ob es auch lesetechnisch mein Genre ist. Mich mal auf was Neues einlassen, deshalb werde ich mir das Buch definitiv mal merken und evtl. mal in Zukunft lesen.

    Dankeschön für dein liebes Kommentar Elena,
    ja das verstehe ich auch nicht, gerade die Tudors bieten genug Drama, ohne das ich da eine alternative Geschichtsschreibung vornehmen muss. Wie gesagt ich kann mit bestimmten Änderungen leben, aber das ging mir halt doch zu weit. Für mich hat das dann auch eben nichts mehr mit der Lebensgeschichte von Catherine of Aragon zu tun :/. Da hätte man ne fiktionale Geschichte erzählen können, hätte mehr Sinn gemacht. Ich muss gestehen, dass ich die Büchern von Gregory bisher nicht gelesen habe, aber die Verfilmungen schrecken mich ab. Habe ja alle Serien des Universums gesehen und mit allen so meine Probleme gehabt, vor allem mit der Darstellung der Frauenfiguren und richtig schlimm fand ich dann „Die Schwester der Königin“, wo einfach mal jedes Gerücht über Anne Boleyn mit eingelaufen ist und sie richtig dämonisiert wurde. Bin froh, dass „The Spanish Princess“ nun auch die letzte Serie basierend auf ihren Büchern ist.

    Ja das ist die Frage: Wird es dann in naher Zukunft eine weitere Serie über Catherine of Aragon geben? Ich denke nicht. Wobei man dies bei den Tudors auch nie so recht weiß, die sind ja ein beliebtes Thema für Serien/Filme/Romane. Channel 5 hat ja erst kürzlich eine Serie über Anne Boleyn bestellt. Ich persönlich würde mir da eher mal was zu Katheryn Howard wünschen, dann aber tatsächlich basierend auf dem Fakten, einfach weil sich unser Bild über sie geändert hat. Viele Historiker*innen zeigen auf, dass sie kein naives, dummes oder leichtes Mädchen gewesen ist, wie sie häufig dargestellt wurde. Vor allem „The Tudors“ war da ja richtig schlimm. Da wäre Potenzial vorhanden, um das mal richtig zu stellen, weil sie auch sonst in allen Filmen und Serien immer nur ne Randnotiz ist, die kurz abgehandelt wird.

    • Hallo Nicole,

      das ist ja letztlich wie mit TV-Serien: Die einen mögen sehr lineare Serien mit eins, zwei Protagonisten und Case-of-the-Week-Structure. Andere hingegen mögen es lieber komplexer mit riesigen Cast, wo sich erst und nach ein Bild ergibt. Wenn du also lieber weniger Point of Views hast, ist das auch völlig legitim. Lesen soll schließlich Spaß machen 🙂

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