„Six Wakes“ von Mur Lafferty

In letzter Zeit interessieren mich immer stärker Weltraum-Abenteuer mit einem gutem Schuss Mystery, weshalb meine Wahl auf „Six Wakes“ von Mur Lafferty fiel. Auf Deutsch gibt es das Buch übrigens seit kurzem unter dem Titel „Das sechste Erwachen“. In dieser Geschichte wird das Genre Science-Fiction mit einem Whodunit verknüpft. Welcher Aspekt mir unerwarteterweise am meisten gefallen hat, erfahrt Ihr in der Rezension!

Mehr Informationen zum Buch
Autorin: Mur Lafferty
Originaltitel: „Six Wakes“
Seitenzahl: 364 Seiten
Verlag: Orbit
Veröffentlichungsdatum: 31. Januar 2017

Gibt es auch auf Deutsch unter dem Titel „Das sechste Erwachen„.

A lone ship, a murdered crew. And a Clone who must find her own killer – before they strike again.

In the depths of space, it’s pretty normal to wake up in a cloning vat. The streaks of blood, however? Not so normal.

Maria Arena has been cloned before. Usually when she awakens as a new clone, her first memeory is of how she died. This time, she has no idea. Her memories are incomplete.

And Maria isn’t the only one to have died recently …

Inhalt

Es war nicht normal, in einem Klonungsbehälter aufzuwachen, der mit trocknenden Blutspritzern bedeckt war. Zumindest hatte Maria Arena diese Erfahrung noch nie gemacht. Ebenso wenig wie nicht zu wissen, wie sie gestorben war. Und ihr Blick auf die anderen der insgesamt sechs Behälter zeigte ihr, dass sie nicht die einzige war, die kürzlich starb …

Obwohl Marias Erinnerungen und die ihrer fünf Crewmitglieder gelöscht wurden und die AI des Raumschiffs Dormire außer Gefecht gesetzt wurde, ist bald klar, dass sie ermordet wurden. Da sie sich Lichtjahre entfernt von der Erde befinden, müssen die Klone möglichst bald ihre Mörder finden – bevor diese erneut zuschlagen.

Meinung

„Politics is almost never violent toward the people who are actually making the political decisions.“

Die größte Stärke des Buches ist aus meiner Sicht, wie intensiv das Thema Klonen bearbeitet wird, dass den eigentlichen Mittelpunkt der Geschichte bildet. Lafferty hat sich ein technisches Konzept überlegt, welches Regeln und Voraussetzungen dafür festlegt. Am wichtigsten sind aber die ethisch-moralischen Fragen, die sich daraus ergeben: Soll es erlaubt sein, Gen-Defekte beim Klonen auszumerzen? Die Zeit der Badewannen-Babies war genauso grausam wie es klingt. Wie verändert es das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern, wenn die Eltern unsterblich sind? Darf ein Mensch gegen seinen Willen geklont werden? Wie viel ist ein Klon-Leben wert? Wie viele Klone von einen Menschen darf es gleichzeitig geben und wenn es nur einen zeitgleich geben darf, welcher hat dann den Anspruch auf das Leben? Was macht es mit Menschen, die ewig Zeit haben? Und ist es okay, sich beim Klonen auch an der Persönlichkeit eines Menschen zu schaffen zu machen, an seinen Charaktereigenschaften und Erinnerungen? Es zeigte sich sehr deutlich in der Geschichte, dass Lafferty sich über das Klonen in all seinen Facetten sehr ausführlich Gedanken gemacht hat.  Somit hat sie mir viel Stoff zum Nachdenken geliefert, den ich gerne angenommen habe.

„The news can take a starving refugee and make them into an invading migrant. One of my Black ancestors was photographed carrying diapers over his head after a flood. They called him a ‘looter.’ A white man was photographed doing the same thing. They called him a ‘survivor.“

Mir gefielen die verschiedenen Charaktere mit ihren unterschiedlichen Hintergrundgeschichten, welche unterschiedliche Erfahrungen mit dem Klonen einschlossen und so die oben geschilderten Fragen besonders anschaulich machten. Die Lebensgeschichten waren ziemlich abwechslungsreich und warteten mit interessanten Enthüllungen auf. Allerdings muss ich einräumen, dass die Figuren trotz oder grad ihrer langen Leben erstaunlich eindimensional wirkten, in dieser Hinsicht wäre trotz des kurzen Handlungszeitrahmen in der Gegenwart sicherlich noch mehr möglich gewesen. Was mir auf jeden Fall aber gut gefiel, war, wie beiläufig „starke“ Frauen mit „männlichen“ Interessen und „schwache“ Männer mit „weiblichen“ Interessen in der Geschichte vorkamen, dass es die Gleichberechtigung von Frauen und queeren Menschen aller Hautfarben ganz selbstverständlich gibt und nirgendwo besonders betont wird.

„Not once did they say, Get shot and chased and stabbed by crazed crewmates, Hiro!“

Leider schwächelte dafür dann der Mystery-Aspekt etwas. Fairerweise muss aber eingewendet werden, dass die Crew zum einen mit zahlreichen technischen Problemen zu kämpfen hatte und zum anderen auch nur wenige Tage bis zur Aufklärung braucht. Die Auflösung der Mordserie fand ich zudem etwas lückenhaft in einzelnen Details, auch wenn sie oberflächlich schlüssig wirkte. Zum Glück habe ich das Buch nicht hauptsächlich deswegen gelesen.

Empfehlung?

Wer sich für das konsequente Durchspielen einer Zukunft interessiert, in der Klonen erlaubt und möglich ist, und nebenbei noch Mörder errätseln will, ist hier genau richtig. Allerdings sollte nicht zuviel Aktion in der Gegenwart erwartet werden, der Thrill entsteht vor allem aus der Vergangenheit der Figuren, die nach und nach enthüllt wird. Für mich war es trotzdem ein spannendes Buch.

In einem Satz

Ein Weltraum-Abenteuer auf einem einsamen Raumschiff, auf dem die Klone der ermordeten Crew ihre Mörder finden muss, bevor diese erneut zuschlagen – wobei sich die Geschichte vor allem auf das Thema Klonen konzentriert.

8 Kommentare

  1. Hey Elena,

    schöne Rezension! Für mich ist Six Wakes schon jetzt ein Jahreshighlight. Wenn du diese Whodunit Geschichten mit SciFi Setting magst, dann könnte „Death of a Clone“ von Alex Thomas noch etwas für dich sein. Das Buch habe ich gerade erst beendet und hatte viel Spaß daran. Da gibt es zwar auch so 2-3 kleinere Dinge die ich bekrittele, aber insgesamt eine spannende Geschichte in der es auch wieder um Klone geht. Diesmal sind sie auf einem Asteroiden und bauen Metalle ab. 🙂

    Liebe Grüße,
    Sam

    • Hallo Sam,

      danke für den Tipp, das Buch klingt sehr interessant und ist direkt auf meiner Wunschliste gelandet. Hattest du ein Rezensionsexemplar oder ist das Buch früher verschickt worden, weil eigentlich erscheint es doch erst am 10. Juli?!

      Liebe Grüße
      Elena

  2. Hallo Elena,

    klingt für mich trotz kleiner Schwachstellen sehr lesenswert. Da ich mich persönlich mehr für den wissenschaftlichen Teil als für Crime Scenes interessiere, dürfte das Buch meinen Geschmack treffen. Ich werde mich in den kommenden Tagen direkt mal der Leseprobe widmen.

    Danke!

    Viele Grüße
    Kathrin

    • Hallo Kathrin,

      wenn dich die Leseprobe überzeugt, dann würde ich das Buch auf jeden Fall lesen 🙂 Sam von Moyas Buchgewimmel hat es hat total überzeugt, da gibt es auch eine Rezension.

      Viele Grüße
      Elena

  3. Hallo,
    danke für den Lesetipp und die Rezension. Das Buch hört sich sehr spannend an und ist gleich auf der Wunschliste gelandet.
    Liebe Grüße
    Kerstin

    • Hallo Kerstin,

      bin gespannt auf deine Meinung, wenn es auch den Weg zu dir schafft 🙂

      Liebe Grüße
      Elena

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