Bin ich noch Buchbloggerin?

Symbolbild BücherFoto: congerdesign CC0 Creative Commons

Derzeit befinde ich mich, wenn nicht direkt in einer Identitätskrise, so schon in einer Umbruchsphase: Was ist mir wichtig, wo möchte ich hin? In diesem Kontext stellt sich auch die Frage, welche Dinge sind mir weiterhin wichtig und was sind vielleicht nur eingeübte Gewohnheiten. Will ich weiterhin über Bücher bloggen oder ist es Zeit für etwas Neues? Dies ist ein Beitrag in meiner Kolumne „Gedankenfunken„, die sich mit ganz unterschiedlichen, aber überwiegend buchigen Themen beschäftigt.

Die Anfänge als Bloggerin

Ich blogge seit etwa 15 Jahren. Ganz genau weiß ich gar nicht mehr, wann ich angefangen habe, irgendwann im Zeitraum zwischen 2006 und 2007 vermutlich. Zunächst habe ich über Alltagsbeobachtungen gebloggt, bald ging es gemeinsam mit einer Freundin in einem weiteren Blog in Richtung Lifestyle und daneben hatte ich noch einen Blog für die Kommentierung politischer Diskussionen. Die wurden dann nach und nach eingestellt und ich machte ein Jahr Pause, bevor ich dann im Sommer 2010 mit meinem damaligen Blog „Leseträume“ meine „Karriere“ als Buchbloggerin startete.

2017 entschied ich mich dazu, einen ersten Relaunch zu machen und bloggte etwa zwei Jahre unter dem Titel „All meine Träume“. Denn mir war das Feld der Bücher zu eng geworden und ich wollte gern thematisch wesentlich offener unterwegs sein. Beispielsweise war ein Ziel, von meinen Urlaubsreisen zu berichten, auch wenn der Vorsatz von mir nicht lange durchgehalten wurde. Allerdings stellte ich relativ rasch fest, dass der Blogname nicht so wirklich zu mir passte. Daher gab es dann im Mai 2019 einen weiteren Relaunch und seitdem heißt mein Blogprojekt „Gedankenfunken“. Für diesen Namen habe ich mich nach einem Brainstorming mit Freund:innen ganz bewusst entschieden, weil er ganz verschiedene Themen ermöglicht und viel besser zu meiner Art passt.

Somit war ich zu Beginn meiner Laufbahn als Bloggerin Auszubildende, arbeite zum Start meines erstens Buchblogs in Vollzeit und machte nebenher einen Fachwirt. Seit Herbst 2012 studierte ich erst im Bachelor und anschließend im Master. Im Sommer 2019 machte ich meinen Masterabschluss und fing direkt an, auf diesem Niveau zu arbeiten. Jetzt sind es bald zwei Jahre wieder voll im Berufsleben und ich habe kürzlich eine Position mit mehr Verantwortung übernommen.

Arbeit und Zeit

Wenn ich rückblickend so darüber nachdenke, fällt mir auf, dass ich vor allem die ersten Jahre einen hohen quantitativen Output hatte und unglaublich viel gelesen habe. Das lag einfach daran, dass mich mein Job mental kaum gefordert hat und ich trotz Fortbildung genug geistige Kapazitäten frei hatte. Mit dem Studium änderte sich die Beanspruchung der grauen Zellen schon deutlich, ich las weniger und schrieb lieber längere, durchdachtere Beiträge. Nun bin ich als Akademikerin unterwegs und merke immer deutlicher: Ich bin mental sowohl geistig als auch kommunikativ ausgelastet.

Das ist absolut nicht negativ gemeint. Es macht mir die meiste Zeit Spaß, auf vielen unterschiedlichen Ebenen gefordert zu sein und mich somit viel ganzheitlicher auf der Arbeit einbringen zu können. Statt auf meine Vorgesetzten zu warten bin ich nun die Person, auf die gewartet wird, weil sie Entscheidungen treffen soll oder die Kommunikation „nach außen“ übernimmt. Das führt eben auch dazu, dass mein Kalender ziemlich voll ist und sich „über Nacht“ das Postfach manchmal mit zeitnah zu klärenden Fragen gefüllt hat.

Statt also auf der Arbeit über Gelesenes nachzudenken und schon mal erste Textbausteine für einen Blogbeitrag vorzuformulieren, haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Nun denke ich in meiner Freizeit über Strategie und Taktik nach. Weil ich eben nicht den „einfachsten“ Weg, der mir als Erstes eingefallen ist, nehmen will um mich dann in paar Monaten womöglich zu ärgern. Sondern möglichst den „besten“ Weg finden will, mit den ich (und mein Team) auch noch Monate später zufrieden bin. Das ist mir wichtig, da auch im Raum steht, dass ich bald vertretungsweise womöglich nicht nur für einige Wochen, sondern für einige Monate eine noch höhere Funktion übernehme.

Veränderte Freizeitgestaltung

Insbesondere durch die Pandemie hat sich auch meine Freizeitgestaltung geändert. Ich gehe derzeit viel spazieren, weil ich mich einerseits gern mit ein paar Personen treffe und anderseits fit genug werden will, dass ich lange Tageswanderungen schaffe. Im Verlauf eines Jahres nahm ich an einem halben Dutzend PnP-Runden teil, was zwar spaßig war, aber auch in Stress ausartete. Jetzt sind es im Schnitt eine Runde pro Woche, was ich ein ganz gutes Pensum finde. Und ich telefoniere für meine Verhältnisse erstaunlich viel, weil ich einfach viel mehr Interesse daran entwickelt habe, zu erfahren, wie es meinen Familienmitgliedern geht.

In normalen Zeiten wäre dies kaum drin gewesen, aber durch die Pandemie ist es mir auch viel stärker möglich, mich ehrenamtlich zu engagieren. Statt für politische Sitzungen erst einmal irgendwo hinfahren zu müssen, kann ich mich nun ruckzuck einwählen. Und für ArbeiterKind.de kann ich nun virtuell in ganz Deutschland unterwegs sein, wovon ich ausgiebig Gebrauch mache. Denn es macht mir einfach unglaublich Freude, jungen Menschen Fragen zum Studium zu beantworten. Das erfüllt mich mit Sinn.

Natürlich mache ich auch noch ganz normale Tätigkeiten. Abends schaue ich mir gern eins, zwei Folgen von TV-Serien an. Ich lese weiterhin gern auf Nachrichtenportalen mit, wenn auch nicht mehr ganz so häufig wie früher. Eins, zwei Spiele beschäftigen mich immer. Und nicht zuletzt Dank zu wenig Bewegung im Alltag versuche ich mehr Sport zu integrieren. Ab und zu schnappe ich mir auch abends, in der Wanne oder im Bett, ein Buch und lese.

Weiter bloggen und wenn ja, worüber?

Und damit kommen wir zum „eigentlichen“ Thema: Passt ein Blog primär über Bücher noch zu mir und meinem Leben? Ich lese noch gern, aber es ist ziemlich unrealistisch, dass es in absehbarer Zukunft wieder mehr als zwei Bücher im Monat werden. Ich möchte schon gern über das Gelesene reden, aber Lust eine strukturierte Rezension zu schreiben habe ich nur noch selten. Nun kann ich mir die Frequenz hier natürlich selbst vorgeben, aber ich finde, etwas Regelmäßigkeit muss schon sein, damit ein Blog „funktioniert“. Zu mal ich mir in den letzten Monaten auch viel zu wenig Zeit für den Austausch mit Mit-Blogger:innen nehme.

Womit ich immer wieder etwas liebäugele, ist ein Informationsformat zu Fragen zum Studium aufzubauen. Weil Bildungsgerechtigkeit ist voll mein Thema. Aber wie erreiche ich da am besten die Zielgruppe? Und ich bin auch nicht so der Typ für halbherzige Angelegenheiten, das wäre schon ein zeitlich anspruchsvolles Projekt. Ich habe mich in den letzten Wochen von vielen kleinen und größeren Sachen bereits getrennt bzw. bin im Prozess es zu tun, weil ich sie zwar mochte, aber ich ihnen nicht die nötige Priorität (mehr) einräumen wollte.

Es stellt sich auch die Frage, ob es vielleicht nicht sogar sinnvoll wäre, ganz einen Schnitt im Sachen Blog zu machen. Denn es gibt ein paar Themen im Leben, wenn ich die nicht bald angehe, dann haben die sich auch erledigt. So mal ich auch die Hoffnung habe, dass die Pandemie bald zumindest im Griff ist und dann werden viele anderen Sachen erstmal sehr interessant sein.

Und nun?

Ein Fazit zu ziehen ist gar nicht so leicht. Nochmal deutlich geworden ist mir durch das Schreiben des Beitrags, dass sich meine Lebensumstände und Prioritäten verändert haben. Es geht dabei nicht um besser oder schlechter. Nur um eine Klärung meiner eigenen Position: Was möchte ich? Während mir das bei einigen Dingen leicht(er) fiel, ist das beim Blog immer noch unklar. Mal schauen, ob mir in den nächsten Wochen noch ein Licht aufgeht.

3 Kommentare

  1. Hey, ich finde es immer spannend zu lesen, wie andere sich so entwickelt haben und was in ihrem Leben – und in ihren Köpfen – so los ist. Deshalb erst mal danke, dass du uns an den Gedanken teilhaben lässt, ich finde es immer schade, wenn man vorher gar nicht mitkriegt, dass jemand etwas ändern oder ganz aufhören möchte, auch wenn das natürlich eine persönliche Entscheidung ist. Aus diesem Grund habe ich auch keinen guten Rat für dich, aber ich hoffe du findest eine Lösung, die für dich passt. Fühl dich nicht gezwungen, einen Blog weiterzuführen, mit dem du dich nicht mehr identifizieren oder den du nicht mehr mit Inhalt füllen kannst, aber freuen würde ich mich schon, wenn er uns erhalten bleibt 🙂

  2. Gegenfrage: Ab wann zählt man nicht mehr als Buchbloggerin?

    Ich würde eher sagen, du hast kein Spektrum erweitert und schreibst Vielfältiger. Bei mir war es ähnlich, erst ein schleichender Prozess und dann immer bestätigender: Ich schreibe nicht mehr nur über Bücher. So hab ich das Feld erst auf Comics aus aller Welt ergänzt und gerade in den letzten 3 Jahren kamen noch die Fotografie, Serien & Filme und das Nähen hinzu.
    Beiträge schreibe ich inzwischen viel seltener, ebenso frage ich Reziexe kaum bis gar nicht mehr an, da ich aus dem „alles Neue ist brisant und wichtig“ Schubladending raus wollte.

    Jetzt die Frage an dich: Kommst du damit zurecht, dass du seltener schreibst und dennoch den Blog nicht einstauben lässt? Und wenn es nur 1-2 Beträge im Monat sind. Oder noch weniger. Who cares?! Es ist deine Spielwiese. Den Blognamen würde ich sogar lassen (meine Meinung), der er vielfältig einsetzbar ist.
    Wichtig! Stress dich nicht! Fahr runter. Lass den Blog, Blog sein. Du merkst dann schnell, ob du keinen Bock mehr hast oder ob es in den Fingern juckt und du uns hier zB Alltagsgeschichten oder von deinen ehrenamtlichen Jobs oder oder oder erzählst 🙂

  3. Einen wunderschönen guten Tag,

    ich kann mich meinen VorrednerInnen nur anschließen.
    Mach, was dir gefällt. Wenn du trotzdem mal über Bücher schreibst, muss es keine Rezension sein. Wenn du andere Interessen einfließen lassen möchtest, mach das. Wenn du keinen Plan oder Lust hast, mach eine Pause. Wenn du komplett aufhören willst, hör auf dein Herz, dass dir bestimmt sagen kann, ob du es bereuen wirst oder nicht.
    Der Blog ist Hobby. Immer.

    Liebe Grüße
    Tina

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