„Forest of a Thousand Lanterns“ von Julie C. Dao

Neuerzählungen von Schneewittchen und ihrer bösen Stiefmutter gibt es viele. Doch ein so wunderbar komplexes Retelling der Evil Queen wie in „Forest of a Thousand Lanterns“ von Julie C. Dao habe ich vorher nicht gelesen oder gesehen. Dazu kommt das ostasiatisch gefärbte Fantasieland Feng Lu, dass mich mit seinen Mythen verzaubert hat. In meiner Rezension verrate ich Euch, warum ich gespannt auf die Fortsetzungen warte.

Mehr Informationen zum Buch
Autorin: Julie C. Dao
Originaltitel: „Forest of a Thousand Lanterns“
Reihe: „Rise of the Empress“ #1
Seitenzahl: 363 Seiten
Verlag: Philomel
Veröffentlichungsdatum: 10. October 2017

Destined for Greatness.
Bound for Ruin.

Xifeng is beautiful. The card’s foretell her fate. She is meant to be Empress of all Feng Lu.
But only if she embraces the darkness buried deep within her soul.
Down one path lies obscurity. The other leads to glory – yet not without great sacrifices.
A lover spurned. Cruel magic exploited.
One question, one choice, reigns above all others: Is the price of the throne too high?

Inhalt

Xifeng ist wunderschön und Gumas Karten sagen ihr Schicksal voraus: Xifeng ist es bestimmt, Herrscherin von ganz Feng Lu zu werden. Um darauf vorbereitet zu sein, wird Xifeng von Guma trotz ärmlichster Verhältnisse unerbittlich ausgebildet und von ihrer Liebe Wei ferngehalten. Eines Tages beschließt Xifeng, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen und bricht in Richtung Hauptstadt zum Palast auf …

Schon der Weg erweist sich als gefahrvoll, doch der Palast erweist sich als noch gefährlicher. Um dort zu bestehen, gilt es, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Doch dies wird ihr nur gelingen, wenn sie die tief in ihrer Seele begrabene Dunkelkeit annimmt. Wird ihr Weg sie in die Dunkelheit führen oder zum Ruhm? Große Opfer bleiben nicht aus …

Meinung

Ich war sehr gespannt, eine Geschichte aus der Sicht einer Protagonistin zu lesen, die nicht den Pfad des Gutens wählt. Xifeng ist ein Charakter, der zwar zur Empathie fähig ist, aber sich und ihre Ziele immer zuerst setzt. Zentral ist dabei ihre Eitelkeit, insbesondere die Schönheit ihres Gesichts wird immer wieder hervorgestellt. Denn es ist ihre größte Waffe, die sie auch für sich einzusetzen weiß. Jedoch ist ihr Gesicht auch Xifengs größter Schatz und so ist verständlich, dass sie sich vor Entstellungen fürchtet.

“I want to mean something to a great deal of people. I am tired of being no one. As Empress, I would have the right to choose for myself. Guma could not command me, and Wei would not own me.”

Was mich am meisten an diesem Buch überrascht hat, ist, dass es sich ziemlich feministisch lesen lässt: Xifeng strebt nach Einfluss und Macht – um frei zu sein! Natürlich möchte sie auch ihrer ärmlichen Herkunft entkommen und genießt Luxus, aber ihre große Motivation ist Selbstbestimmung. Dafür ist sie bereit, so ziemlich alles zu opfern, auch ihre (vermeintlich) große Liebe. Und sie ist fest entschlossen, ihre Chance zu nutzen.

„She would bloom where she was planted and let her roots close around the throats of her enemies.“

Manche kritisieren die Beschreibungen von Xifeng als inkonsistent, ich jedoch deute es so, dass Xifeng sich trotz Eifersucht und Neid gern als guter Mensch sehen will. Im Verlauf der Handlung trifft sie immer wieder Entscheidungen, welche die von ihr eingeschlagene Richtung immer unumkehrbarer machen. Nur durch diese Entwicklung kann Xifeng schlussendlich solch abscheuliche Taten rechtfertigen und dennoch glauben, dass sie das richtige tut. Jedoch gibt es auch Rückschläge und es tauchen immer mal wieder Zweifel auf, so dass ich ihr Verhalten glaubwürdig empfand.

“She was a monster, a bride of the darkness, and she rose to face her destiny as though it were the blood-red sunrise of a new day.”

Was den Buch etwas fehlt, sind andere starke Charaktere. Es gibt einige interessante Figuren, aber sie bleiben doch überwiegend recht blass. Was aber der Logik des Buches folgt, da Xifeng sich selbst immer die wichtigste Person ist und andere vor allem danach schätzt, wie sehr sie ihr auf dem Weg nach oben weiterhelfen können. Auch von Feng Lu wird in diesem ersten Teil noch recht wenig enthüllt, obwohl es Einblicke in die Mythologie gibt, die sehr vielversprechend ist.

Insgesamt ist es eine ziemlich düstere Geschichte, die eine noch viel finstere Fortsetzung verspricht. Für mich die perfekte Abwechslung zu den sonst so strahlenden Heldinnen.

Empfehlung?

Von mir bekommt das Buch eine klare Empfehlung, wartet es sowohl mit ungewohnter Perspektive und Setting als auch mit einer feministischen Lesart auf. Allerdings sollte Leser*innen klar sein, dass die Protagonistin keine Sympathieträgerin ist und zu grausamen Handlungen fähig. Wer die Hauptfigur mögen muss, um ein Buch gut zu finden, wird hier definitiv nicht glücklich.

In einem Satz

Interessanter Auftakt zu einem groß angelegten Retelling der Evil Queen mit ostasiatischen Flair.

11 Kommentare

  1. Super Rezension! Du hast tatsächlich mein Interesse an diesem Buch geweckt! Das Buch habe ich nämlich schon hier und da gesehen, aber na ja, noch eine Märchenadaption? Irgendwie nicht. Aber wenn die Protagonistin mal ganz anders ist und auch sonst die Geschichte so vielversprechend klingt, dann werde ich dem Buch mal eine Chance geben.

    Liebe Grüße,
    Hanna

    • Hach, vielen Dank für deinen Kommentar, da hat sich die Mühe sich gelohnt 🙂 Bin schon sehr gespannt auf deine Meinung!

      Liebe Grüße
      Elena

  2. Liebe Elena,

    Das Buch hatte ich bisher noch so gar nicht auf dem Schirm, jetzt bin ich aber wirklich interessiert!
    Es klingt sehr spannend und sehr interessant. Das die Protagonistin auch mehr an sich selbst denkst, statt daran die Welt zu retten o.ä. finde ich ziemlich gut!
    Das landet auf jeden Fall mal auf der WuLi ❤

    Liebste Grüße
    Jenny

    • Liebe Jenny,

      vielen Dank für dein Feedback! Ja, ich mochte auch sehr, dass die Prota sich mal zur Abwechslung primär um sich selbst sorgt, statt sich für irgendwen oder irgendwas aufzuopfern.

      Liebe Grüße
      Elena

  3. Tolle Rezension! Ob ich es lesen sollte, weiß ich noch nicht, weil es mir schon wichtig ist, eine sympathische Hauptfigur zu haben, aber Selbstbestimmung als Motivation finde ich auf jeden Fall super. Das Setting klingt außerdem super interessant.

    • Wenn es dir wichtig, dass die Protagonistin sympathisch ist, würde ich in der Tat eher abraten. Für mich war es aber eben das interessante an dem Buch, dass Xifeng eben nicht drauf angelegt ist, den Leser*innen sympathisch zu sein. Das Setting ist auf jeden Fall toll 🙂

  4. Hallo Elena,
    deine Besprechung zur Märchenadaption von Schneewittchen gefällt mir sehr gut. Ich liebe Märchenadaptionen und bisher hat mir von Diana Menschig ihre Adaption von „Hänsel und Gretel“ „So finster, so kalt“ gut gefallen.
    Da ich ausgefallene Settings liebe und auch Asien faszinierend finde, ist das Buch direkt auf die Wunschliste gewandert.
    Interessant finde ich das der Charakter von Xifeng nicht genau festgelegt, sondern indifferent, das verspricht Spannung.
    Liebe Grüße
    Kerstin
    #litnetzwerk

    • Liebe Kerstin,

      das freut mich, dass dir die Rezension so gut gefallen hat. Bin gespannt auf deine Meinung, falls du das Buch kaufen solltest.

      Liebe Grüße
      Elena

  5. Liebe Elena,
    dass Buch klingt wirklich unglaublich interessant! Ich habe es schon auf einigen Bildern gesehen, aber mich nie wirklich weiter damit beschäftigt! Nun habe ich es einfach einmal auf meine Wunschliste gepackt!
    Alles Liebe,
    Julia
    #litnetzwerk

    • Liebe Julia,

      schön, dass dich die Rezension packen konnte 🙂

      Liebe Grüße
      Elena

  6. Liebe Elena,

    das klingt ja spannend.
    Gerade die ostasiatische Einfärbung interessiert mich sehr.
    Ich hoffe, das wird irgendwann mal auch auf deutsch übersetzt… 🙂

    Liebe Grüße
    Ramona
    #litnetzwerk

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